
Ein Musikjournalist
sagte einmal: „Laut den strengen Gesetzen der Rockmusik dürfte es Pink Floyd überhaupt nicht geben – schon gar nicht
unter den fünf Besten Gruppen der Welt!“
Die Gründe dafür
sind vielfältig, denn sie scheren sich nicht um ihre Fans, meiden jede Art
von Publicity, stehen mit der Presse auf Kriegsfuss, missachten kommerzielle
Trends, und sie hassen die Musikindustrie. Und trotzdem, der Mythos Pink
Floyd lebt, und das schon seit nahezu 39
Jahren.
Das 1965 von vier
Schulfreunden in Cambridge, England gegründete Quartett des elektronischen
Rock bestand zunächst aus dem Sänger und Leadgitarristen Syd Barrett, dem Bassgitarristen und
Sänger Roger Waters,
dem Pianisten und Organisten Rick Wright und
dem Schlagzeuger Nick
Mason. 1968 wurde Syd Barrett's Part von David Gilmour
übernommen. Sie wurden von der Presse als „nicht mehr lebensfähig“ erklärt.
Doch unter der musikalischen Leitung von Roger Waters und
dem neu dazugekommenen David Gilmour
entwickelten sich Pink
Floyd zu einer der innovativsten Bands der
Rockgeschichte und wurden richtungsweisend für die moderne Rock- und
Popmusik. Anders als die
meisten Rockbands erschlossen Pink
Floyd das ganze Arsenal elektronischer
Töne für die Rockmusik. Mit den Science-Fiction Hörbildern ihrer Stücke A
Saucerful Of Secrets, Set The Controls For The Heart Of The Sun, Astronomy
Dominé und Interstellar Overdrive zu denen sie im Londoner
UFO-Club phantastische Lichtshows zelebrierten, rockten und rollten sie 1967
und 1968 in eine neue musikalische Epoche. Wo sie ihren sogenannten
„Azimut-Koordinator“ aufstellten schrien Möwen, plätscherte Wasser, ratterten
Maschinengewehre, dröhnten Düsenflugzeuge, explodierten Bomben. Mit dem
komplizierten Siebenkanal 360° Misch- und Steuersystem ließen sich alle diese
Geräusche von Tonbändern einspielen oder instrumental imitieren. Durch
Lautsprecher, die an allen vier Seiten der Konzertsälen angebracht waren,
ermöglichte der Koordinator raffinierte Soundeffekte und einen vollendeten
quadrophonischen Raumeindruck. Sicher ist in diesem Punkt die Frage
berechtigt, wohin dies alles überhaupt noch führen soll und was für einen
Stellenwert die vier Musiker in diesem gigantischen elektronischen „Zirkus“
überhaupt noch haben.
Der erste große
Erfolg geht auf das Jahr 1973 zurück, Dark Side Of The Moon, Das Album,
welches zu starken Reaktionen in der Musikwelt führte. In abständen von zwei
Jahren folgten 1975 Wish You Were Here
und 1977 Animals,
beides Alben die dem Namen der Band und ihrem Sound mehr als nur gerecht
geworden sind. Wieder zwei Jahre später präsentierte das Quartett ein neues
noch pompöseres Werk, The Wall
eine LP die sich nahtlos an ihre bisherigen
Produktionen anhängte. Die aus dem Album ausgekoppelte Single Another
Brick In The Wall (Part II) wurde
zur Hymne einer ganzen Generation. Dass Rick Wright aus
der Band Rausgeschmissen wurde, blieb geheim. Bei der folgenden The Wall-Tournee
stand er wie gehabt wieder mit auf der Bühne. Aber, diesmal „nur“ als
bezahlter Gastmusiker. Roger Waters hatte
schon während der Studioarbeit zu The Wall
die Idee, die Geschichte auch zu verfilmen.
In Alan Parker fand er genau den richtigen Regisseur der die Story in
Filmszenen umzusetzen verstand. So wurde daraus einer der packendsten
Musikfilme der Neuzeit. Im April 1982
begann Roger Waters an
neuem Songmaterial zu schreiben. Es war geplant, die Reste der The Wall-Session
und neue Titel, die für den Film
geschrieben wurden, zu einem neuen Album zu verschmelzen. Doch als am 2.
April 1982 der Falklandkrieg zwischen England und Argentinien begann,
animierte dies Roger Waters zu
einem neuen Konzeptalbum. The Final Cut
erschien am 21. März 1983. Erst jetzt wurde
bekannt, dass Rick Wright nicht
mehr zur Band gehörte. David Gilmour
wollte mit dem neuen Album auf Tournee gehen, Roger Waters wollte
hingegen lieber an seiner Solo-Platte arbeiten. Dieser Umstand führte zu
einem Streit der Beiden, was letztendlich zum Ausstieg von Roger Waters führte. Roger Waters gestattete
den verbleibenden Bandmitgliedern den Namen Pink
Floyd auch ohne ihn zu benutzen, weil er
sich nicht vorstellen konnte, dass David Gilmour
und Nick Mason ohne ihn überhaupt etwas auf
die Beine stellen könnten. Sogar EMI, die Plattenfirma, glaubte nicht an
einen Erfolg der restlichen Pink
Floyd Musiker und weigerte sich, den
geforderten Vorschuss hinzublättern, der notwendig war für ein Album. Im
Glauben „ohne mich geht sowieso nichts“ überließ Roger Waters ihnen
die Rechte am Gruppennamen. Doch als sie ihn dann tatsächlich benutzen
wollten, bekam er einen Wutanfall und leitete sofort ein Gerichtsverfahren
ein. Roger Waters wollte
unter allen Umständen die Rechte am Namen zurück haben. Am 10. November
1986 veröffentlichte das Management ein kurzes Statement: „Pink
Floyd ist am Leben, es geht ihnen gut und
sie machen Aufnahmen in England“. Das war der
Beginn eines erbitterten Privatkrieges, der in London vor Gericht endete. David Gilmour
holte Rick Wright in
die Band zurück, weil er sich bessere Karten mit ihm an Bord ausrechnete. Roger Waters verlor
den Prozess, und die anderen durften den Namen weiterverwenden.
Das neue Pink
Floyd Album A Momentary Lapse Of Reason wurde am 7. September 1987 veröffentlicht und
schaffte sofort den Sprung in die Charts. Die darauf folgende Tour wurde die
bisher längste der Band, sie dauerte fast drei Jahre. Die Tournee war auch
ohne Roger Waters ein
Triumphzug für die Band geworden. Um dies auch auf Platte zu dokumentieren,
veröffentlichte man am 22. November 1988 das erste vollwertige Live-Album der
Bandgeschichte Delicate Sound Of Thunder.
Es folgte wieder eine kreative Erholungspause, bis die Band 1993 gestärkt
durch neues Selbstvertrauen mit den Arbeiten zu einem neuen Album begannen.
Das Thema des Albums ist „fehlende Kommunikation“ ebenfalls wieder ein
klassisches Pink
Floyd Konzept. David Gilmour
setzte sich daher mit seiner neuen Freundin, die heute seine Ehefrau ist, der
englischen Journalistin Polly Samson
zusammen und schrieb die Texte für die neuen Songs. The Division Bell
belegte innerhalb einer Woche weltweit den
ersten Platz in den Hitparaden. Die darauf folgende Welttournee wurde zur
erfolgreichsten der Bandgeschichte. Wie nach der A
Momentary Lapse Of Reason-Tour
entschied man sich auch von der The Division Bell-Tour
einen Live-Mitschnitt auf den Markt zu bringen. Das Doppelalbum P.U.L.S.E
beinhaltet nun erstmals eine komplette
Live-Version von Dark Side Of The Moon.
Dieses Album war dann auch das erste Live-Album in der Rock &
Pop-Geschichte, das den ersten Platz der Charts erreichte. Pink
Floyd tauchten wieder in den Winterschlaf
ein und erwachten nur einmal kurz im Jahr 1999 für den fünf Album Vertrag mit
der EMI zu schließen. Das Live-Album Is There Anybody Out There? beinhaltete altes
Archivmaterial, von der The Wall-Tournee
das die Band freigegeben hatte. Das warten auf Pink
Floyd wird am 5. November 2001 mit dem
Best Of Album Echoes unterbrochen.
Doch wirklich neues Material findet man auch auf dieser Scheibe nicht. Das 30
Jahrjubiläum im Jahr 2003 vom Album Dark Side Of The Moon
wird gefeiert. Es erscheint eine SACD mit
echtem Quadrosound von dem Meilenstein aus dem Jahr 1973. Und für die
Filmfreunde gibt’s ein Making Of... auf einer 84 minütigen DVD. Am 29.
März 2004 wird das Album The Final Cut
in einer remasterten Tonqualität veröffentlicht. Der Song When
The Tigers Broke Free ist jetzt auch
mit auf dem Album, er wurde im Album an die möglicherweise ursprünglich
vorgesehen Position eingefügt. Doch ein neues Studioalbum oder ein Konzert
ist noch immer nicht in Sicht. |

Letztes Update: 18.03.2004