CD-Tip David Gilmour
On An Island
Reif für die Insel
Michael Pilz
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David
Gilmour: On an Island (EMI). Menschen, die seit ihrer Kindheit kreative Kräfte
in sich spüren, diese Kräfte allerdings im Arbeitsalltag kontrollieren und
verkümmern lassen müssen, gönnen sich im Alter gern ihr spätes Meisterwerk. Wer
alles hat, schenkt sich sein eigenes Buch oder nimmt endlich seine Platte
auf. Im Zeitalter des Heimcomputers geht das. David Gilmour
feiert heute seinen 60. Geburtstag. Für den Gitarristen der pausierenden Gigantomanen-Band Pink Floyd ein Anlass, sich nach 22
Jahren wieder eine eigene Platte zu bescheren. In
der Heimat Großbritannien bringt sie Gilmour heute
festlich auf den Markt. Er singt darauf, wie glücklich und zufrieden er mit
sich und seinem Leben, der Familie und der aktuellen Arbeit ist. Zur Aufnahme
des Albums hatte er einige seiner guten Freunde eingeladen. Die Rockveteranen
Graham Nash und David Crosby, Robert Wyatt, Georgie
Fame und Phil Manzanera. Zbigniew Preisner dirigierte
das Orchester. Gilmours Gattin Polly Samson schrieb
die Texte. Von Pink Floyd war immerhin Richard Wright, der Keyboarder, dabei. Der
Schlagzeuger Nick Mason nicht, er hatte jüngst ein Buch mit Anekdoten zu Pink
Floyd geschrieben, die dem Gitarristen nicht behagten. "Ich will mich
nur mit Menschen umgeben, mit denen ich gern Zeit verbringe", sagt der
Jubilar. Auch
mit dem in den achtziger Jahren ausgeschiedenen Bassisten Roger Waters möchte
er nicht feiern. Waters fiel zuletzt durch eine Revolutionsoper auf. Beim
weltweit übertragenen Live8-Festival hatten sich beide auf der Bühne reichlich
steif umarmt. "Roger ist der militanteste Pazifist, den ich kenne",
schimpft Gilmour. "Ich habe Probleme damit,
mich einem Mann zu unterwerfen, der gern herumkommandiert. Ohne Roger macht
Pink Floyd aber auch keinen Sinn." Womöglich wird die Welt also für
immer auf die Band verzichten müssen, sogar Gilmour
selbst hält sie für "aufgeblasen". Freunde epischen Konzeptrocks
müssen nun mit der Geburtstagsplatte ihres Gitarristen vorlieb nehmen. Mal
ganz ehrlich: Je mehr Gilmour die in ihren
Anfangsjahren aufregende Gruppe prägte, um so
kunstgewerblicher erschien ihre Musik. Als Gitarristenhandwerksmeister
operiert er weiter fehlerfrei. Die Themenbögen seiner Soli klingen noch so
weit wie lyrisch, nur die Spannung fehlt noch immer völlig. Gilmour
bettet so sein rundherum zufriedenes Lebensresümee in angemessene Musik. Er
schwärmt: "Es ist meine beste und persönlichste Arbeit." Natürlich
ist sie das. Glückwünsche nimmt er bei Konzerten am 10. März in Dortmund, am
11. in Hamburg und am 18. in Frankfurt entgegen. Wenn er nachträglich sein
eigenes Ständchen zelebriert. |
06.03.2006 © Die Welt.de