
Presseberichte & Foto’s
02. Juli 2005
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London – Diese Musik-Sensation hält England in
Atem: Die genialen, legendären und schon immer völlig unglaublichen
"Pink Floyd" sind wieder da! Zum ersten Mal seit 24 Jahren treten die
vier Mitglieder der Original-Besetzung gemeinsam auf. David Gilmour, Nick
Mason, Richard Wright und Roger Waters wollen beim Wohltätigkeitskonzert
"Live 8 for Africa"
am 2. Juli im Londoner Hyde Park abrocken. Mit von der Partie: Elton John, Ex-Beatle Paul Mc Cartney
und Bob Geldof ("I don't like Mondays"). "Floyd"-Bassist
und Sänger Roger Waters hatte die Band in einem Streit um Plattenrechte verlassen. Berliner Kurier |
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Kein musikalisches
Grossereignis ohne spektakuläre Reunion: 25 Jahre nach ihrem Split werden
Pink Floyd beim Londoner Live 8 wieder gemeinsam
auftreten. Auch wenn sich Bandchef Roger Waters schon in den 80ern mit seinen
Kollegen zerstritt, wollen die Bombastrocker zugunsten der Armen in Afrika
ihren Krach vergessen. MTV |
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Solidarität ist wichtiger Live Aid wird als Live 8 belebt - Pink Floyd vereinen sich
eigens dafür Vor zwanzig Jahren
organisierte der britische Rocksänger Bob Geldof die mittlerweile historischen
Konzerte Live Aid. Sie fanden am 13. Juli 1985
sowohl in London als auch in Philadelphia statt. Es kamen 120 Millionen
Dollar zusammen, die direkt für humanitäre Hilfen in Afrika verwendet wurden.
Geldof und viele prominente Künstler wie Paul McCartney, George Michael,
Elton John, Bruce Springsteen, David Bowie oder Mick Jagger traten da für die
Solidarität mit der Dritten Welt ein. In der vergangenen Woche nun trafen die
Finanzminister der G8-Staaten (USA, Frankreich. Großbritannien, Kanada,
Deutschland, Italien, Japan und Russland) die historische Entscheidung, den
ärmsten Ländern die Schulden zu erlassen. Damit hat das Live-Aid-Projekt
einen Etappensieg erreicht. Zunächst werden 14 afrikanische Staaten (darunter
Burkina Faso, Mali, Senegal, Ghana, Ruanda, Äthiopien, Tansania) und vier
lateinamerikanische Länder (etwa Bolivien und Nicaragua) von ihren
Rückzahlungen befreit. Nachdem schon einmal auf Teil-Schulden verzichtet
wurde, konnten etwa in Uganda die Trinkwasserversorgung und in Benin die
Gesundheitsbetreuung ausgebaut werden. Doch es mehren sich auch kritische
Stimmen, die befürchten, dass so Demokratie nach den Vorstellungen der
westlichen Welt erkauft werden soll und, dass im Grunde Schulden erlassen
werden, die einst als Landeskredite aufgenommen, jedoch von einzelnen
Herrschern verprasst wurden. Tatsächlich sind einige der
Forderungen von einst noch immer nicht erfüllt: etwa die Verdoppelung der
Afrika-Hilfe oder die Reform des Welthandels. Deshalb wird Live Aid noch einmal initiiert, diesmal als Live 8. Damit die
Solidarität nicht abhanden kommt und das Bewusstsein der Menschen aus den
reichen Industrieländern geschärft bleibt, findet am 2. Juli unter dem Motto
"Wir wollen nicht euer Geld, wir wollen eure Stimmen" eine
Wiederbelebung des Konzerts statt. Der Eintritt ist kostenlos. Das Berliner Konzert wird an jenem Tag
von 14 bis 20 Uhr auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und
Brandenburger Tor zelebriert. Die federführende Veranstaltungsagentur Marek Lieberberg kann noch nicht endgültig die teilnehmenden
Künstler bestätigen. Zugesagt haben nach ihren Angaben, die noch auf dem
Stand der vergangenen Woche sind, Die Toten Hosen, Söhne Mannheims, Green
Day, a-ha, Wir sind Helden, Silbermond, Reamonn,
BAP, Chris de Burgh , Brian Wilson, Katherine
Jenkins und Renee Olstead.
Angeblich sollen Lauryn Hill, Anastacia,
Crosby Stills & Nash, Herbert Grönemeyer, HIM, The Rasmus und Audioslave noch
im Gespräch sein. Zeitgleich, ebenfalls am 2. Juli, gibt
es auch Konzerte am Eiffelturm in Paris (u.a. mit Jamiroqai, Youssou N'Dour), auf dem Gelände des Circus Maximus in Rom (Faith Hill, Zucchero), vorm Museum
of Art in Philadelphia (Will Smith, 50 Cent, Stevie Wonder)
und im Hyde Park in London (U2, Madonna, REM). Zum Konzert in der britschen Hauptstadt werden auch Pink Floyd erwartet. Die
seit 1986 tief zerstrittene Band meint, der frühere Zwist sei in diesem
Zusammenhang so unbedeutend, dass es der Mühe wert sei, sich für dieses
Konzert wieder zu vereinen. Manche meinen, dies sei der eigentliche
Höhepunkt. (BLZ) Berliner Zeitung |
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Mehr als zwei
Millionen bewarben sich um 150’000 Gratiskarten Großer Andrang bei SMS-Verlosung -
Beim Konzert treten unter anderem Paul McCartney, Elton John, REM, Sting und
Robbie Williams auf London - An der SMS-Verlosung von
Gratis-Eintrittskarten für das Live8-Konzert in London haben sich mehr als
zwei Millionen Musikfans beteiligt. Bis zum Einsendeschluss Sonntagnacht
gingen mehr als zwei Millionen Textmeldungen vom Handy für die 150.000
Eintrittskarten des Benefiz-Konzertes am 2. Juli im Londoner Hyde Park ein,
wie die Veranstalter um den Pop-Star und Polit-Aktivisten Bob Geldof
mitteilten. Die SMS waren die einzige Möglichkeit, an der Verlosung der
Gratistickets teilzunehmen. Bei dem Konzert zugunsten notleidender Menschen in Afrika wollen unter anderen Paul
McCartney, Elton John, REM, Sting und Robbie Williams auftreten. Auch die
Mitglieder der Rockgruppe Pink Floyd wollen bei dem Konzert zum ersten Mal
seit fast 25 Jahren wieder in alter Besetzung spielen. Parallel zu London
sollen am 2. Juli auch in Berlin, Philadelphia, Rom und Paris Konzerte
stattfinden. (APA) Der Standart.at |
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Pink Floyd in Concert - unerwartet Das
Schwein von der dunklen Seite des Mondes Von Alexander Gorkow Erstmal: Hallelujah! Pink Floyd, die
Wunderformation aus alten Männern, die sich seit ihrer späten Jugend
abgrundtief hassen, tun es noch einmal. Sie spielen für ein einziges Konzert
wieder gemeinsam auf - und werden sich dabei gewisslich nicht in die Augen
schauen. Absolut unglaublich: "Pink
Floyd" tun es noch einmal Aus England kommt die Nachricht, dass
Pink Floyd am 2. Juli in Londoner Hyde Park als Teil des Live-8-Konzertes in
Originalbesetzung auftreten werden. Das ist ein fast so unglaublicher Spezialeffekt
wie, sagen wir, ein fliegendes Schwein über der Battersea
Power Station in London oder wie ein Echobass samt Ansager: "One of these days I am going to cut you into little
pieces!" So, und nun erstmal: Hallelujah. Und jetzt weiter im Text: Über die
Jahre erlebte man tolle Sachen, wenn man den ehemaligen Pink-Floyd-Anführer
Roger Waters in seinem Londoner Stammhotel besuchte, und dann den Gitarristen
der Band, den Weltsphärengroßmeister Sir David Gilmour,
auf seinem umwerfend schönen Mahagony-Hausboot
"Astoria" auf der Themse. In beiden
Fällen traf man auf Herren, die um die 60 Jahre alt und mit dem Leben
eigentlich versöhnt sind. Man trank Tee, beim sonoren Gilmour
Earl Grey, dazu spielte der Meister ein wenig auf
der Akustischen, auf Halshöhe schickte am Fenster
und im Sonnenlicht die Themse würdig rudernde Kanuten vorbei. Quiet desperation is the English way . . . Beim
vom Leben geräuchert wirkenden Waters trank man den dementsprechend
exzentrischeren Lapsang-Souchong-Tee, und während
man mit Gilmour über Architektur und seine antike
Flugzeugsammlung sprach, waren die Themen bei Waters gleich mal politischer,
giftiger. Jedenfalls sind beide Herren, wenn sie mal reden, ein Segen, denn
ihr Sarkasmus ist derart geschliffen, dass man hinterher beim Abhören des
Bandes nichts wegkürzen muss. Noch etwas einte beide, oh ja: eine
vulkankratertiefe Abneigung vor dem jeweils anderen. Auf dem Hausboot verließ Gilmour vor ein paar Jahren in exakt jenem Moment die
Contenance, als ihm einer der anwesenden Journalisten zum Abschied das Innencover
der Platte "Meddle" (1971) zum Signieren
auf den Tisch legte. Gilmour wünschte per Autogramm
über seinem Porträt dem Journalisten "all the
best" -- und entwertete dann auf demselben Gruppenfoto seinen ehemaligen
Kollegen Waters, indem er ihm eine alberne Brille und einen linksliberalen
Bart aufmalte. Waters wiederum zischte am Ende eines Interviews mit dieser
Zeitung, dass er bitte definitiv nie mehr auf eine Wiedervereinigung mit Gilmour angesprochen werden möchte: "I don't like him!
It's so simple!" Er habe Gilmour
noch nie gemocht, und er habe nicht vor, zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Orginalzusammensetzung von Pink Floyd, damit anzufangen,
ihn zu mögen. Ach, Geld? Gääähn! Was wir aber in diesen blödsinnig
neoliberalen Zeiten von den gottverdammt großartigen Hippies lernen können?
Dass es am Ende das Gute ist, was zählt -- und nicht (mehr) das Geld. Seit den in der Rubrik
"Großkonzert" bis heute unübertroffenen "Wall"-Konzerten
1980 und 1981 in Los Angeles, New York, Dortmund und London hat die Band nicht
mehr in Originalbesetzung auf der Bühne gestanden. Es gab noch zwei
erfolgreiche Pink-Floyd-Tourneen ohne Waters. Es
gab einige schöne Solotourneen von Waters, von denen die letzte einer der
größten Überraschungs-Kassenerfolge der letzten Jahre war. Es gab lange davor
ein Solo-"Wall"-Konzert von Waters und
Gastmusikern auf dem noch unbebauten Potsdamer Platz, und man muss sagen,
dass dieses Konzert damals fast so grauenvoll klang wie der Platz heute
aussieht. Es gab einige brillante Kammermusikabende von Gilmour
in der Londoner "Royal Festival Hall", mit Robert Wyatt etwa oder
Kate Bush. Und nun zum Geld: Da exakte Zahlen
stets nicht bestätigt werden, wollen wir sie nicht nennen. Aber sagen wir so:
Für den sehr mehrstelligen Millionendollarbetrag,
den ein amerikanischer Veranstalter für die Rechte an der Verwertungskette
nur einer einzigen Original-Pink-Floyd-Tournee in
Aussicht stellte, müsste eine mittelgroße Stadt ein paar Jahre überaus heftig
stricken. Roger Waters ließ nach solchen Angeboten stets verlautbaren:
"I don't need the money." David Gilmour ließ stets verlautbaren: "Pink Floyd are not interested."
Das ist natürlich ein Jammer für eine Industrie, die es seit zirka 1980 mit
Bands zu tun hat, die nach einem Sommer zurecht
wieder verschwinden. Da in der weißen Musik ausschließlich quasireligiöse
Hupen wie U 2 oder Coldplay für Umsatz sorgen,
kämen die lässigen Dinosaurier von Pink Floyd sozusagen wie eine Manufactum-Filiale mit Umsatzgarantie daher. Aber ach,
Geld? Gääähn! Zur weithin unterschätzten Lakonie dieser Band passt nun die von Waters wie von Gilmour abgegebene Erklärung, wieso man für Sir Bob
Geldof doch noch in den Ring steigen werde: angesichts der Probleme in der
Dritten Welt seien die Streitereien innerhalb einer Rockband doch relativ
nichtig. Fast möchte man sich (mit ihnen) direkt nach ihrem Auftritt in
London totlachen. Die größte Seifenoper der Rockgeschichte, der größte
Rechtsstreit seit dem Showdown zwischen J.R. und Bobby Ewing geht zu Ende.
Vermutlich werden sie nur ein paar Lieder zum Besten geben. Und sie werden
sich nicht auffällig anstrengen. Aber werden sich beim Vortrage von
"Wish You Were Here" etwa die Blicke
von Sir David Gilmour und Mr. Roger Waters treffen?
Werden beide womöglich versöhnlich lächeln? Werden wir exakt dann endgültig
den Verstand verlieren? 14.06.2005 sueddeutsche.de |
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5,5
Milliarden Zuschauer sollen beim Live8-Spektakel dabei sein Von OTZ-Korrespondent U.
Schilling-Strack London Zumindest Anfang und Ende scheinen nun fest
gebucht. Auf der Riesenbühne im Londoner Hyde Park wird Paul McCartney am
kommenden Samstag gemeinsam mit U2 die weltweite Fangemeinde im bunten Sergeant-Pepper-Kostüm daran erinnern, dass vor 20 Jahren
schon einmal die Musik gegen den Hunger kämpfte. Sieben Stunden später soll
ein anderer Beatles-Song das Finale krönen: "The
Long and Winding Road" als Mahnung, dass der
Weg bis zum endgültigen Sieg über die Armut in der Welt noch lang und
verschlungen sein wird. Viele andere Details zappeln dagegen noch im
kreativen Chaos, aus dem Bob Geldof nun irgendwie die größte Show aller
Zeiten zaubern will. Am Wochenende inszenierte der Pate der rockigen
Wohltätigkeit immerhin schon mal eine Generalprobe. 120 000 Besucher des
legendären Glastonbury-Festivals, zerzaust vom traditionellen Unwetter und
nass bis auf die Knochen, jubelten Geldof zu und folgten seinem Appell, mit
einer riesigen Menschenkette ein Symbol für die Kampagne "Make Poverty History" zu setzen. Ob sich nun wirklich eine Armee
unter dem Banner "Schafft die Armut ab" auch in Richtung G8-Gipfel im schottischen Gleneagles in
Marsch setzen wird, erscheint aber eher zweifelhaft. Zum einen hat der Schuldenerlass der reichen
Industrieländer der Kampagne schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln
genommen. Riskante Planspiele und Zoff hinter den Kulissen sorgten für eine
zusätzliche Eintrübung des Klimas. Entsetzt hatten zum Beispiel die
Sicherheitsexperten den Aufruf kritisiert, mit einer Live8-Flotte den Kanal
zu überqueren. Ruderboote auf der belebtesten Wasserstraße
der Welt - da hört der Spaß dann doch auf, hieß es in offiziellen Kommentaren.
Ähnlich abweisend reagierte Edinburgh auf Geldofs Vision von millionenstarken
Truppen, die den G8-Delegationen einmal so richtig einheizen sollten, und
nicht einmal das musikalische Programm blieb vom Zank verschont. Wo sind eigentlich die schwarzen Künstler bei
diesem Konzert für Afrika, fragten die Kritiker provokant und warfen den
Organisatoren "typisch weiße Arroganz" vor. Bob Geldof verteidigte
erst einmal die Auswahl für das zentrale Konzert im Londoner Hyde Park als
glanzvolles Zugpferd einer globalen Kampagne, stampfte aber dann doch noch
flugs eine Alternative aus dem Boden. In Cornwall werden nun Musiker aus
Zimbabwe, Senegal oder Uganda die Dritte Welt bei einem Spektakel vertreten,
dass den Erdball umspannen soll. Zehn Bühnen werden aufgebaut, in London und
Philadelphia, Toronto und Tokio, Berlin, Paris, Johannisburg, Rom, Edinburgh
und Cornwall, und 5,5 Milliarden Menschen könnten theoretisch dabei sein: als
Fernsehzuschauer, oder auch im Internet, wo alle Auftritte eingespeist
werden. Selbst im tiefsten Tschad oder im fernen Papua Neu-Guinea sind
Live-Übertragungen geplant. Die Spice Girls haben
dennoch endgültig abgesagt - Mel B. ließ angeblich das mit Spannung erwartete
Comeback platzen - und auch die Rolling Stones, Oasis
oder David Bowie winkten ab. Dennoch konnten die Organisatoren nicht alle Stars
im Hyde Park unterbringen und vermittelten deshalb einige weiter. In Berlin
werden deshalb unter anderem auftreten: Chris de Burgh,
Brian Wilson, Roxy Music, Die Toten Hosen, Söhne Mannheims, Wir Sind Helden, Bap, Juli, Green Day, Silbermond, Sascha, A-Ha, Herbert Grönemeyer. Für London stehen fest: U2,
Paul McCartney, Elton John, Robbie Williams, Madonna, Sting, Annie Lennox,
REM, Coldplay, Youssou n´Dour, Dido, Mariah Carey, Stereophonics, Joss Stone, Ms
Dynamite, Scissor Sisters,
Keane, Snoop Dog, Snow Patrol, Velvet Revolver, Razorlight,
UB40, The Who, Travis. Und zum Höhepunkt: Pink Floyd. Gemeinsam mit Roger Waters, der mehr als zwei Jahrzehnte eigene Wege ging,
wird eine der großen Legenden der Musikgeschichte erstmals seit mehr als zwei
Jahrzehnten wieder auf der Bühne stehen. Drei Songs wollen Pink Floyd spielen, und zwar Breathe, Comfortably Numb und Wish You Were Here, aber auch das
ist wie so vieles bei Live8 natürlich völlig ohne Gewähr.
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Weltstars geben
Afrika ihre Stimme Vor
20 Jahren sammelte das Konzertprojekt "Live Aid"
mehr als 140 Millionen Dollar für Hungernde in Afrika. Jetzt gibt es am 2.
Juli eine Neuauflage in acht Städten, unter anderem auch in Berlin. Diesmal
geht es aber nicht um Geld, sondern um politischen Druck. Von
Alexander Lang Bob Geldof hat sein wichtigstes
Etappenziel im Kampf gegen den Hunger in Afrika erreicht. Mit dem
Schuldenerlass, den die führenden Industriestaaten (G 8) vom 6. bis 8. Juli
in Gleneagles in Schottland für die ärmsten Länder
beschließen wollen, geht eine zentrale Forderung des für seinen karitativen
Einsatz von der britischen Königin geadelten Rockmusikers in Erfüllung. Vor
20 Jahren, am 13. Juli 1985, hatte der Ire Geldof mit "Live Aid" das größte Benefiz-Festival aller Zeiten
veranstaltet. Die bekanntesten Stars der Rock- und Popmusik beteiligten sich
damals bei dem transatlantischen Doppelkonzert, das mehr als 140 Millionen
Dollar für Hilfsprojekte gegen den Hunger in Afrika einspielte. 1,5
Milliarden Menschen verfolgten das Ereignis vor dem Fernseher, das über
Satellit im Wechsel aus dem Londoner Wembley Stadion und dem John-F.-Kennedy-Stadion in Philadelphia (USA) übertragen
wurde. Für die 16-stündige Show mit Weltstars wie Elton John, Paul McCartney,
David Bowie, Madonna und Phil Collins hatten sich die legendären Rockbands Led Zeppelin und The Who eigens wieder zusammengerauft. Die Idee zu "Live
Aid" war Geldof im Jahr 1984 gekommen, als er
eine Fernsehreportage über eine Hungerkatastrophe in Äthiopien sah.
"Live 8" heißt jetzt die von dem 53-jährigen Geldof organisierte
Neuauflage: Am 2. Juli sind in London, Philadelphia, Rom, Paris und Berlin
sowie in Johannesburg, Tokio und Toronto gleichzeitig kostenlose Konzerte
geplant. Dabei geht es anders als bei den "Live Aid"-Konzerten
vor 20 Jahren nicht um Geldspenden, sondern um politische Unterstützung gegen
Armut und Hunger. Dafür wird auch Pink Floyd erstmals seit zwei Jahrzehnten
wieder gemeinsam auftreten: Für das Konzert in London haben David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright ihren
Streit der letzten Jahre beigelegt. Die Toten Hosen in Berlin "Ich bin
mit dabei, weil mir die Idee der ganzen Aktion sehr am Herzen liegt",
sagt der Rocksänger Campino von der Punkband Die
Toten Hosen. Es gehe darum, Handelsbeschränkungen abzubauen, die auf Kosten
der ärmsten Länder gehen. "Für mich war entscheidend, dass es sich nicht
einfach um eine Wiederholung des Live-Aid-Konzerts
vor 20 Jahren handelt", ergänzt Campino.
"Diesmal ist es mehr eine kämpferische als eine Benefizveranstaltung. Es
ist nach langer Zeit wieder das erste Mal, dass Hunderttausende gemeinsam für
eine politische Idee eintreten." Beim deutschen Konzert gegen die Armut
in Afrika sind auch Herbert Grönemeyer, Roxy Music, a-ha, Green Day, Brian
Wilson (Beach Boys), Wir sind Helden, Reamonn, BAP
und Chris De Burgh dabei. Seit "Live Aid" hat Geldof, der ehemalige Sänger der Boomtown Rats, sich dem Kampf gegen die Armut in Afrika
verschrieben. Die britische Stiftung Band Aid Trust
unterstützt derzeit mehr als 20 Projekte mit umgerechnet mehr als sechs
Millionen Euro. In Äthiopien, Sudan, Somalia, Uganda, Tansania, Niger und
Nigeria wird die Wasserversorgung verbessert, es werden Kläranlagen gebaut
und in Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung investiert. Die Stiftung mit
Sitz in London hilft zudem Aids-Initiativen, fördert Jugendzentren und gibt
Zuschüsse für Impfprogramme. Kindern aus armen äthiopischen Bauernfamilien
wird der Schulbesuch ermöglicht. Auch Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsregionen
im sudanesischen Darfur werden versorgt. 28.06.2005 / Pressehaus Heidenheim |
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Vorsicht mit der
Axt! Pink Floyd wollen beim Londoner
Live8-Konzert gemeinsam spielen. Vielleicht überlegt die Band es sich noch
einmal von Carl Graf Hohenthal Eines
der ältesten Stücke der britischen Pop-Band Pink Floyd ist eine reine
Instrumentalnummer und hat doch in den sechziger Jahren viel Aufmerksamkeit
auf sich gezogen. "Careful with
that axe, Eugene"
ist nur wegen des markerschütternden Schreis berühmt geworden, der gegen Ende
des sonst eher ruhigen Songs unvermittelt den Zuhörer aufrüttelt. Über den Schrei und den Titel des
Stücks ist viel spekuliert worden. Ob es nun der geniale, aber in maßlosem
Drogenkonsum verdämmernde Mitbegründer der Band, Syd
Barrett, war, auf den der Schrei zurückgeht, oder
der Bassist, Roger Waters: Diese frühe Komposition drückt schon die
Zerrissenheit der beiden aus, die Pink Floyd später so zu schaffen gemacht
haben. Der Gitarrist Barrett
wurde schon 1968 gegen David Gilmour ausgetauscht,
der fortan als Frontmann Roger Waters das Feld streitig machte. Waters, der
zunehmend egomaner wurde, verließ die Band erst
1985 im Krach. Es kam zu Prozessen, Beschimpfungen und Drohungen. Und dem
Schwur, nie wieder zusammen zu spielen. Jetzt spielen sie doch wieder. An
diesem Samstag treten Pink Floyd beim Live 8-Konzert in London zum
ersten Mal wieder gemeinsam auf. Schon jetzt rätselt die begeisterte
Fan-Gemeinde, wie lange die Band wohl spielen wird, und im Internet kursieren
geheime Listen der Stücke, die Pink Floyd angeblich bringen wollen. Sicher ist nur, daß
mit diesem Konzert ein weiterer Jugendtraum dahingeht. Es ist millionenfach
wiederholt worden, daß man mit Rock und Pop nicht
alt werden kann. Diejenigen, die das wilde Leben der sechziger und siebziger
Jahre überstanden haben, versuchen es dennoch. Leider. Vorbild mögen die
Rolling Stones sein. Doch Keith Richards und Charlie Watts sahen in den
Siebzigern schon so alt aus, wie sie niemals werden würden. Und außerdem
spielen die Stones sehr bluesorientierte Musik. Mit Blues und Jazz kann man
in Würden 100 Jahre alt werden (von Mick Jagger wollen wir hier mal nicht
reden). Mit Rockmusik ist das nicht möglich; vollends unmöglich ist es mit
psychedelischem Underground, der aus den Träumen unbändigen Drogenkonsums und
wilder technischer Experimentalfreude mit Synthesizern, Licht und Elektronik
geboren wurde. Pink Floyd waren vor fast 40 Jahren
eine höchst originelle, sehr britische Kunstband. Die toll aussehenden vier
Jungs machten schräge Musik, die sie in ihren Konzerten durch nie gesehene
Licht- und Filmeffekte verfeinerten. Sie gehörten zu den ersten, die die
Möglichkeiten des Synthesizers wirklich begriffen hatten und damit auch
umgehen konnten. Als sie Anfang der siebziger Jahre mit drei Sattelschleppern
Equipment (unglaublich, sagten wir damals) im Münchner Circus-Krone-Bau
aufspielten und umlaufende Surround-Sounds,
Gelatinebilder und Stroboskopeffekte produzierten, hielten wir den Atem an.
Die anderen "Super Groups" nahmen sich
dagegen vorsintflutlich aus. Der Rest der Geschichte ist bekannt:
Die Musik wurde bombastischer, immer lauter, bis das Ganze Ende der siebziger
Jahre in dem Quasi-Musical "The Wall" seinen
Höhepunkt erreichte. Noch gigantomanischer als auf
dieser Doppel-LP konnte die Musik nicht mehr
werden. Deshalb war der Weggang von Waters vielleicht nur folgerichtig.
Wirklich zerfallen ist die Band damit nicht. Gilmour
sammelte die restlichen Mitglieder, Nick Mason und Richard Wright, um sich
und tourte weiter. Doch die kreative Phase der Band war vorbei. Wer die Band
Ende der neunziger Jahre sah, erlebte nicht das einstige Fotomodell Gilmour, sondern einen dicklichen Mann mit Hang zur Glatze,
der zugegebenermaßen immer noch toll Gitarre spielte. Die altbekannten
Lichteffekte hätten jedem Kirchentag Ehre gemacht. Es war zum Heulen. Und jetzt also die große Vereinigung in
London. Man wird einige ältere Herren hören, die mit Sicherheit Stücke von
"Dark Side of the
Moon" und "Ummagumma" spielen. Und
als Zugabe wahrscheinlich "Wish you were here".
Was auch sonst? Dabei wünschte man sich, weit weg zu
sein. Nicht die ganzen abgelebten Muttis mit leuchtenden Augen um sich herum
zu sehen, die einst so bezaubernde Hippiemädchen waren. Und die wilden Kerle,
die noch einmal einen Joint rauchen, während draußen vorm Stadion die
Mittelklassewagen warten, mit denen sie hinterher in ihre Mittelklassehäuser
zurückfahren. Die Rockmusik ist schon lange tot, und
der Underground ist noch viel töter. Es hat ihm nur
keiner gesagt. Und Heavy Metal und diese ganze in Leder, mit Kopfschütteln
und viel Gebrüll vorgetragene Dröhnmusik von heute ist nur ein dünner Aufguß der wilden Zeit von einst - wie verwässerter Tee.
Wenn hin und wieder dann die früheren Originale auftreten, Jimmy Page von Led Zeppelin, Rod Stewart oder gar der unvermeidliche
Ozzy Osbourne stehen auf der Bühne verfettete Lastwagenfahrer, die zuviel
Bier trinken und ganz entfernt an die Idole der Jugend erinnern. Rockmusik sollte nicht mehr live
gespielt werden. Wir würden an romantischen Abenden dann gern noch einmal
eine Platte auflegen und von früher träumen. Doch von der Wirklichkeit wollen
wir nichts wissen. Vielleicht überlegen es sich Pink Floyd ja noch einmal. 29.06.2005 / www.welt.de
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Mega-Spektakel für Afrikas Kinder
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Konzerte, Milliarden Zuschauer »Live 8« / Auch in Berlin spielen Stars / Was
Sie über die Shows wissen müssen Von Ralf Dorschel Was ist "Live 8"? Am Sonnabend finden weltweit zehn
Konzerte statt. Hunderte Stars von Madonna bis Pink Floyd werden auftreten.
Mehr als zwei Milliarden Menschen werden die Konzerte vor Ort, im Fernsehen
und online verfolgen. "Live 8" heißt so, weil sich seine Botschaft
an die Regierungschefs der "G8"-Staaten richtet. Wer ist Veranstalter? Der britische Musiker Sir Bob Geldof,
flankiert von einer Reihe von Stars wie Bono,
Grönemeyer und Chris Martin. Wird Geld gesammelt? Nein. Das Motto der Veranstalter
lautet: "We don't want your money,
we want you!" - wir wollen nicht euer Geld, sondern eure
Stimme. Millionen von Menschen weltweit sollen gegen die die Haltung der
Industrieländer zur Armut in Afrika protestieren. So sollen die
Regierungschefs der G8-Staaten bei ihrem Gipfel am Mittwoch in Schottland zum
Handeln veranlasst werden. Welche Forderungen werden an die G8-Staatschef gestellt? Schuldenerlass für die ärmsten
Staaten, eine Verdopplung der Entwicklungshilfe, faire Handelsbedingungen. Wo kann ich die Show im TV sehen? Die ARD zeigt lediglich nachts ab 1.30
Uhr eine Zusammenfassung. Vollkommen unerklärlich wird das Weltereignis auf
Spartenprogramme abgeschoben. Phoenix überträgt aus Berlin, teils auch das
"World Signal". Warum zeigt die ARD so ein Event nicht
im Abendprogramm, wo es in anderen Ländern läuft? Wohl weil die Programmmacher eine
andere Vorstellung von wirklich wichtigen Ereignissen zu haben scheinen.
Anders als bei vielen großen Stationen weltweit läuft hier nicht "Live
8", sondern der "Musikanten Dampfer" (20.15 Uhr) und "Klinik
unter Palmen" (22.25 Uhr). Warum gibts
so einen Trubel um Pink Floyd? Weil die Band sich vor 25 Jahren
heillos zerstritten hatte. Roger Waters und die drei Rest-Floyds
werden erstmals seit "The Wall" wieder
zusammenspielen. Was war "Live Aid" 1985? Vor 20 Jahren wurde es ebenfalls von
Geldof organisiert, unter den Gästen waren Prince Charles und Lady Diana. Es
spielten Weltstars wie Queen, U2, Dire Straits, The Who, David Bowie, Sting. Damals wurden Spenden für die
Hungersnot in Äthiopien gesammelt. Warum tut Bob Geldof so viel Gutes? Weil ihm seit "I Don't Like Mondays"
keine Hits mehr einfallen? Nein! Ohne derartig engagierte Stars wäre die Welt
ärmer. "Live 8" wäre nie zustande gekommen, wenn Geldof nicht
unentwegt wirbeln würde. Es sind immer die gleichen Stars, die sich hier
hervortun: Geldof und Bono, Sting und Gabriel,
Queen und R.E.M. - man kann wunderbar spotten über diese
"Gutmenschen". Oder einfach mal den Hut ziehen vor Musikern, die
ihre Prominenz und ihr Image nutzen, um die Politik in Bewegung zu halten. Warum tut Geldof so viel Gutes und
wird dennoch kritisiert? Weil er bei der Planung von "Live
8" vor lauter Afrika-Hilfe die Afrikaner vergessen hatte. Kein einziger
Star aus Afrika war eingeladen worden. Die Veranstalter haben schnell
Besserung gelobt und ein Konzert in Johannesburg und Cornwall auf die Beine
gestellt haben. Was will "Live 8" von mir
persönlich? "Watch It", sprich: dabeizusein,
in den Metropolen oder im TV oder Internet. 2. "Go To Edinburgh", also
am finalen Marsch am Mittwoch zum G8-Gipfel teilnehmen. 3. "Sign the Live 8 List". Auf der
Homepage www.live8live.com lässt sich die Petition an die G8-Regierungschefs
unterzeichnen. Herbert Grönemeyer ist Headliner beim Berliner "Live 8"-Konzert DER AUFRUF"Jeden Tag sterben 30’000 Kinder
an extremer Armut - alle drei Sekunden eins. Am 6. Juli werden die acht
Regierungschefs der mächtigsten Länder der Welt für ein Gipfeltreffen im schottischen Gleneagles
zusammenkommen. Diese Männer können die Weltarmut beenden und die Zukunft von
Millionen von Menschen ändern. Sie werden es aber nur machen, wenn wir es
ihnen sagen. Darum gehts bei "Live 8".
Und dafür brauchen wir Ihre Stimmen und nicht Ihr Geld." Lieber mittendrin statt nur dabei?
Fahren Sie doch morgen nach Berlin zum "Live 8-Spektakel", bei dem
eine Million Zuschauer erwartet werden. Die Riesenbühne wird an der
Siegessäule stehen, das Publikum dann auf der Straße des 17. Juni bis zum
Brandenburger Tor (wie auf dem Foto von der "Loveparade"). Auf der
Strecke stehen Videowände. Es wird voll, fahren Sie besser U/S-Bahn bis zu
den Stationen Unter den Linden, Lehrter Bahnhof
oder Potsdamer Platz. 01.07.2005 /
Hamburger Morgenpost |
Starke Stimmen für AfrikaBob Geldof brachte wieder große Namen aus Rock und
Pop zusammen. Von Thorsten Keller London - Tote kann selbst Sir Bob Geldof, der
umtriebige Festivalorganisator und wortmächtige Afrika-Aktivist, nicht zum
Leben erwecken, daher glaubt niemand der mehr als 200 000 Zuschauer im
Londoner Hyde Park an eine Erscheinung aus dem Jenseits, als vier Musiker in
den echten psychedelischen Beatles-Uniformen aus dem Jahr 1967 auf die Bühne
kommen. Die verkleideten vier spielen Horn und Posaune und begleiten als
kleine Blaskapelle Paul McCartney und U2 (nicht kostümiert). Zusammen geben
sie am Samstag um 14 Uhr mit „Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band“ den
Startschuss zu einem beispiellosen Konzertmarathon, den McCartney gegen
Mitternacht mit einem anderen Beatles-Klassiker („Hey Jude“) zu Ende bringt.
Danach zerstreut sich das Publikum diszipliniert und friedlich in die
Londoner Nacht. Die meisten gehen zu Fuß über Park Lane
und Oxford Street, die U-Bahn hat ihren Betrieb schon planmäßig eingestellt,
während das Live-8-Spektakel zwei Stunden länger gedauert hat, als vorab
angekündigt. Die Eröffnung mit „Sergeant Pepper“
hat sich Bob Geldof ausgedacht, um die Kontinuität der guten Tat zu betonen:
Der erste Satz des Songs („It was twenty years ago today“) stimmt zwar nicht
hundertprozentig, aber am 13. Juli vor 20 Jahren war in London und
Philadelphia das „Live Aid“-Festival über die Bühne
gegangen, das Geldof nun mit der Neuauflage „Live 8“ übertrumpfen will. Während die Bühne für Madonna umgebaut wird, mutet
Geldof den Zuschauern im Park und vor den Fernsehern auch nochmals die Bilder
jener BBC-Dokumentation zu, mit der im Herbst 1984 alles angefangen hatte:
Ausgemergelte, verhungernde Kinder in einem Lager in Äthiopien. Birhan Woldu, die damals als
todgeweihter Säugling in dem Film zu sehen war, steht am Samstagabend
strahlend schön neben Geldof und Madonna auf der Bühne - als Beispiel für
eine Lebensrettung durch „Live Aid“. Gegenüber 1985 hat sich allerdings die
Zielrichtung des Festivals gedreht: „Gerechtigkeit statt Almosen“ lautete
diesmal der zentrale Slogan. Statt Spendengelder für Äthiopien und andere
Hungergebiete zu sammeln, sollen die insgesamt zehn parallel laufenden
Konzerte im Vorfeld des G-8-Gipfels in Schottland öffentlichkeitswirksam
Druck aufbauen, damit die Politiker die Entwicklungshilfe mindestens
verdoppeln und der unfaire Welthandel gerechter geregelt wird. „Wir wollen
nicht euer Geld, sondern eure Stimme“, heißt eine zweite zentrale Botschaft
des Tages. Geldof promotet die Show
als bewusstseinserweiternde Maßnahme: Mit Erfolg, wie ein Blick auf die
Zuschauer im Hyde Park suggeriert. Zehntausende tragen, als Insignien
korrekter Gesinnung, ein offizielles Live-8-Shirt mit der leicht
größenwahnsinnigen Aufschrift „Dieses Hemd verändert die Welt“ (Verkaufspreis
30 Euro). Wer es diskreter mag, bindet sich ein weißes Stoffband mit der
Parole „Make Poverty History“ (etwa: Macht Armut zu Geschichte) ums
Handgelenk. Wer schließlich ein ganz plattes Symbol in die Welt hinaussenden möchte, macht es wie U2. Während ihrer Show
leistet die irische Band ihren individuellen Beitrag zur London-Verschmutzung
und lässt etwa 100 weiße Tauben aufsteigen. Wie es sich für „the greatest show on earth“ gehört, treten
auch Weltstars auf, die nicht aus der Popszene kommen. Microsoft-Boss Bill
Gates hält eine kurze Ansprache und wird als einziger auf der Bühne von
einigen wenigen Zuschauern ausgepfiffen. Später am Abend bekommt auch
Fußballer David Beckham seine 30 Sekunden
Live-8-Ruhm, als er seinen Freund Robbie Williams so ansagt: „Er ist ein
bisschen schüchtern, aber sehr talentiert.“ Der introvertierte Herr Williams versetzt die
Menge mit seiner Ballade „Feel“ und dem pumpenden „Let Me Entertain
You“ in einen kollektiven Ekstase-Zustand, was
vergleichbar intensiv nur noch Madonna („Like A Prayer“ mit großem Gospelchor) und Annie Lennox gelingt.
Die ehemalige Sängerin der Eurythmics spielt ihren
ergreifenden Song „Why“ alleine am Klavier - das
könnten die drei Minuten gewesen sein, an die sich alle Welt mit leuchtenden
Augen erinnert. Und natürlich an die Wiedervereinigung von Pink
Floyd. Nachdem die Gruppe ihre vier Songs („Breathe“,
„Money“, „Wish You Were Here“ und „Comfortably Numb“) gespielt
hatte, verbeugten sich Roger Waters und David Gilmour,
die zwei großen Streithähne der vierköpfigen Band, Arm in Arm. 24 Jahre haben
die Pink-Floyd-Fans weltweit auf diesen gemeinsamen
Auftritt und auf diese Geste der Versöhnung warten müssen - möglich wurde sie
durch den hartnäckigen Bob Geldof. Während das Publikum die geschliffene Perfektion
des Auftritts kaum fassen mochte, schwenkten die Kameras der BBC über London
bei Nacht und blieben an den vier riesigen Schornsteinen der „Battersea Power Station“ stehen, die das Cover des Pink-Floyd-Albums „Animals“
ziert. Das Helium-gefüllte Plastikschwein war allerdings spurlos
verschwunden. 04.07.2005 / KStA |
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200’000 Musikfans bei "Live 8" in Berlin Berlin - Rund zwei Millionen
Menschen nahmen am 2. Juli bei den
"Live 8"-Konzerten weltweit teil. In Berlin und London feierten
jeweils über 200.000 Musikfans das Spektakel. Rockgrößen wie The Who und Pink Floyd standen erstmals wieder
in alter Formation auf der Bühne. Die zerstrittenen Mitglieder von Pink Floyd
("The Wall") hatten sich eigens für Live
8 wiedervereinigt. Zu dem Konzert in Philadelphia sollen nach Angaben der
"dpa" rund eine Million Besucher geströmt sein. Die Halle in Tokio
dagegen, die 20.000 Personen fasst, war nur zu 50 Prozent gefüllt. Medienpartner AOL übertrug das Konzert im Internet.
Nach Unternehmensangaben verfolgten 160.000 Internet-Nutzer gleichzeitig die
Live-Übertragungen von den Konzerten. 26.400.000 Millionen SMS-Botschaften
mit dem Text "Unite" wurden zur
Unterstützung der Kampagne verschickt. 04.07.2005 / www.musikmarkt.de |
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"Das Betreten des Rasens ist verboten!" Musik,
Politik und Sommerloch: Eine gefährliche Mischung Von Wolf-Dieter Roth Musik ist Geschmackssache. Versucht man, alle
Musiker im Dienst einer guten Sache unter einen Hut zu bringen, so ergibt das
Chaos, noch dazu, wenn die Nützlichkeit der guten Sache fraglich ist. Dafür
ist "Live 8" noch vergleichsweise glimpflich abgegangen. Ziemlich Hauruck-mäßig
hat Sir Bob Geldof sein Gedenken an "Live Aid"
namens "9 Live", nein, "Live 8" organisiert. In Deutschland,
wo alles drei Jahre, einen Antrag und ein Gremium braucht, hatte dies zur
Folge, dass praktisch niemand das Live 8-Konzert in Berlin sponsorn wollte: Die Werbeetats für 2005 waren längst verteilt
und solch wahre Kultur wie die TV-Serie "Marienhof" ist ohnehin
viel interessanter für Schleich- und auch Galoppwerbung. Auch mit dem eigentlich erhofften Auftritt vor
dem Berliner Reichstag hat es nicht geklappt. Deutschlandtypisch waren der
Rasen und die Rasensprenganlage als offizielle Begründung daran schuld. Das
glaubt man sofort. Mal davon abgesehen, dass politische Demonstrationen auch
mit Musikbeschallung sowieso einen Mindestabstand von Regierungsanlagen
halten müssen ("Bannmeile"). Stattdessen wurde das Loveparade-Gelände zur
Verfügung gestellt. Als langer Schlauch geeignet eben für Karneval und
Loveparade, aber nicht für Konzerte, bei denen die Bühne nun einmal nicht auf
einem fahrenden LKW ist. Wer das Konzert sehen wollte, blieb folglich zu
Hause oder besuchte Freunde mit Fernseher und Satellitenempfang; wer die
ausgefallene Loveparade nachholen wollte, kam zum Party feiern. Was man nun
dem Veranstalter, den Caipirinha-Verkäufern und den
aufgetretenen Bands anlastet. Oder hätte man doch wie im Film "Richy Guitar" der
"Ärzte" das Publikum auf die Tribüne der Stadtautobahn und
ehemaligen Autorennbahn "Avus" setzen
sollen, um dann mit der Bühne auf dem LKW vorzufahren und zu spielen, bis die
Polizei kommt? "Wir sind Helden" auf der Flucht vor dem Blaulicht –
ja, das wäre ein Ereignis geworden… Wie auch immer, Berlin war mit diesem Problem
nicht alleine – die Bühne in Philadelphia war zwar größer, doch der Platz für
die Zuschauer von der Anordnung her auch nicht besser. Und der Müll dort
übertraf das musikmüllerprobte Berlin. Wobei auch über die dortige Musik
während des Konzerts Unmut laut wurde: Nicht etwa dem Anlass entsprechend
Weltmusik aus Afrika – die wäre weit angenehmer und vor allem angebrachter
gewesen, die hatte man mit Konzerten in Johannisburg und organisiert durch
Peter Gabriel in Cornwall noch schnell notdürftig hintendran gestrickt, doch
wurde sie nur als Medley verschiedener Bands im Schnelldurchlauf gezeigt.
Nein, Rap, Hiphop, Soul und jaulende Songs von
Mariah "Wer ist denn schon wieder dem Hund auf den Schwanz
getreten?" Carey und Celine "Mein Schiff säuft gleich ab" Dion irritierten das Publikum an den Radios und
Fernsehgeräten ab dem Moment, in dem sich Philadelphia zuschaltete. Nur
Herbert "Gib mir meine Stimme zurück, bevor sie auseinanderbricht!"
Grönemeyer hätte hier noch gefehlt, doch der blieb dem Worldfeed
erspart. Und dabei war doch vorher in der Presse so geschimpft worden, dass
mit jeder Menge weißer Gruftrocker zu rechnen sei und sich die legendären
Pink Floyd sogar für das Konzert wiedervereinigt hätten. Und nun war weit und
breit gar kein Rock zu hören, sondern Rapper, die
sich weit mehr selbst feierten als Geldof & Bono. Die deutsche Übertragung begann in diversen
dritten Fernseh-Programmen und in einigen ARD-Radiosendern zwar pünktlich um
14 Uhr, womit zunächst auch niemand gerechnet hatte. Um die Umbaupausen zu
überbrücken, wurden dann die Musiker direkt hinter der Bühne abgefangen und
solange gnadenlos interviewt, bis die nächste Band auf der Bühne stand oder
extra zum Event im Sinne der Völkerverständigung ausgedachte Kalauer gerissen
("Seit die Amerikaner im Irak einmarschiert sind, sind nach 50 Jahren
endlich nicht mehr die Deutschen die Bösen – danke USA!"). Doch dann klinkte sich ein "Drittes"
nach dem anderen aus, als letztes der Rundfunk Berlin-Brandenburg als
Gastgeber gegen 19.25. Es blieb der sogenannte
"Worldfeed", der anfangs deutlich besser
war als das hausbackene Berliner Programm, das ab 20.15 auf "Eins
Festival" nicht etwa fortgesetzt, sondern wieder von 14 Uhr an
wiederholt wurde. Doch mit dem Einbruch der Rapper
und Hiphopper sowie der herumhüpfenden Blondinen Dido, Madonna (diese immerhin musikalisch akzeptabel), Shakira und Mariah Carey sank die Begeisterung der
Zuschauer darüber, dass sich zumindest die Spice
Girls nicht für das Konzert wiedervereint hatten, deutlich ab. Dass dann auch
noch Celine Dion "aus Las Vegas via
Toronto" eine Glitzershow zeigte, die mit hungernden Kindern in Afrika
nun gar nicht zusammenpasste, schien der Tiefpunkt der Veranstaltung zu sein. Danach wurde die Musik wieder besser. Doch Brian
Ferry, der ein reguläres Konzert in Stuttgart für Live 8 abgesagt hatte, kam
von vier gespielten Stücken nur mit "Jealous
Guy" zum Zuge und von Brian Wilson gab es nur "Good Vibrations" in einer Version, in der das Theremin eher wie eine Stechmücke auf Acid
klang. Dafür hatte er aber das ganze Lied gesungen, was einige deutsche Bands
mangels Stimme lieber dem Publikum überließen. Die deutsche Übertragung hatte
sich bei Brian Wilson allerdings mitten im Konzert hektisch ausblenden müssen
– dass ein Open-Air-Konzert bis in die Nacht dauert, hatte man nicht
erwartet. Sting, der alle ehemaligen Police-Songs auf die drei Töne
reduziert, die er singen kann, wurde von den Zuschauern allerdings noch
weniger angenommen als die Rapper und Hip-Hopper, bei denen man davon ausgeht, dass sie es nun
einmal nicht besser können. Wer jedoch vor dem Gerät einschlief und dann die
deutsche "Best of"-Zusammenfassung
wählte, die in der Nacht und am nächsten Morgen lief, fühlte sich komplett
veräppelt: Der Moderator entschuldigte sich ernsthaft bei den
Robbie-Williams-Fans dafür, dass sie noch etwas warten müssten, weil zuerst
noch einige andere Bands wie die Who, Roxy Music
und Pink Floyd dran seien! Die in Wirklichkeit übrigens nach Robbie Williams
gelaufen waren. Dabei wurden von Robbie zwei Songs gezeigt, der so ins Finale
wanderte, während von Pink Floyd nur noch einer von vieren gesendet wurde. Der politische Marsch nach Edinburgh war im
Übrigen ohne Verstärker und Musik. Und deshalb auch fast ohne Beteiligung –
die angekündigte Invasion blieb aus. Und das endgültige politische Konzert
ist erst am 6. Juli zum G 8 in Edinburgh, Schottland. Für die meisten ist
"Live 8" keine Politik gewesen (Stimmen gegen die Armut), auch
nicht für die Politiker. Es war wohl trotzdem etwas viel, so viele Orte und
Musikrichtungen koordinieren zu wollen und das auch noch mit dem Ziel, auf
die Situation in Afrika aufmerksam zu machen. Benefiz-Veranstalzungen
laufen immer Gefahr, ins Peinliche abzudriften und hier hatten sich die Initiatoren
nach lautstarker Kritik im Vorfeld am Ende dezent zurückgehalten und ihren
Anteil in den ersten Minuten und im Finale hinter sich gebracht. Auch solch
entsetzliche Kitschsongs wie "We are the world"
oder "Do they know it's christmas time" sind
uns diesmal bislang erspart geblieben. Zudem endete das Event nicht wie Woodstock oder
jedes Jahr wieder "Rock am Ring" in Schlamm- und Wassermassen, von
Schlägereien wurde auch nicht berichtet – von virtuellen Schlammschlachten in
den Medien einmal abgesehen – und mancher, der sonst nicht an Afrika denken
würde, mag es nun doch tun, wenn sogar ausgerechnet Bill Gates als
unerwarteter Rock- und Afrika-Fachmann das befürwortet – auch wenn dies bei
Bill natürlich reine PR-Gründe sind. Das Thema ist so immerhin im Gespräch.
Dass ein Schuldenerlass gegenüber mitunter korrupten Regierungen nicht
unbedingt dem jeweiligen Volk zugute kommt, ist auch klar, ebenso, dass
manche der Musiker es nur als PR-Aktion für sich betrachtet haben wie eben
Celine Dion und der Gedanke, dass am 6. Juli acht
Leute in einem Raum die Welt verändern und alle Fehler wieder gut machen
können, wenn wir sie nur alle lieb darum bitten, ist ziemlich naiv. So kann
man die Verantwortung gut abschieben, man hat sich ja schließlich mit einer
SMS und einer Unterschriftenliste engagiert und wenn jetzt noch in Afrika
Kinder verhungern, dann war es George W. Bush. Doch die meiste Kritik der letzten Tage setzt im
Gegensatz zur berechtigten Kritik im Vorfeld und an der politischen
Ernsthaftigkeit gar nicht mehr an diesen konkreten Punkten oder den einzelnen
Konzerten an, sondern polemisiert an unwichtigen Nebensächlichkeiten wie
Pommes- oder Getränkebuden, die das durch die abgesagte Loveparade
ausgefallene Geschäft nun an den Live-8-Besuchern nachholen wollten. Während
der "bessere Journalismus", die Blogger,
beklagen, dass die Afrikaner nicht über ihre Meinung zu Bob Geldofs Spektakel
bloggen. Doch für die Betroffenen dürfte selbst der
berühmte umgefallene Sack Reis weit interessanter – weil nahrhafter – sein,
als Nebensächlichkeiten wie Live 8 oder Blogs oder
die Frage, was denn eigentlich das Internet ist und ob man das essen kann. Ob "Live 8" nun wirklich die hehren
Ziele erreichen wird oder nicht, es gibt Schlimmeres. Selbst wenn es umsonst
war, so war es doch auch kostenlos und alle 20 Jahre ist sowas
noch zu ertragen. Wer es schrecklich findet, muss es ja nicht mitmachen 04.07.2005 / Telepolis |
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Bob Geldof appelliert erneut an G-8-Teilnehmer «Es ist todernst» Edinburgh - Einen Tag vor Beginn des G-8-Gipfels
in Schottland hat Live-8-Organisator Bob Geldof noch einmal an die Teilnehmer
appelliert. Der diesjährige Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und
Russlands sei der wichtigsten aller Zeiten, sagte
Geldof am Dienstag bei seiner Ankunft in Edinburgh. Jetzt gehe es um alles. «Der Präsident der G-8
(Premierminister Tony Blair) geht mit dem größten demokratischen Mandat aller
Zeiten in das Treffen und spielt Poker», erklärte Geldof weiter.
«Unglücklicherweise handelt es sich bei den Chips um die Leben der Ärmsten
auf unserem Planeten. Es ist todernst.» Die Botschaft sei Würde und Respekt
für die Menschen. Es gehe darum, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben,
sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu leben. Der Gitarrist der Rockgruppe Pink
Floyd, David Gilmour, kündigte an, seine Profite
aus dem Live-8-Auftritt vom Samstag spenden zu wollen. Die Verkaufszahlen des
Best-of-Albums «Echos» schossen seit dem Konzert in
London in die Höhe. Gilmour sagte, bei Live 8 sei es zwar um Druck auf die Teilnehmer des
G-8-Gipfels gegangen, trotzdem wolle er nicht finanziell profitieren. Er
forderte andere Künstler auf, seinem Beispiel zu folgen. (AP)
Live 8 Organisator Bob Geldof und Ivy Maina aus Kenya am 5. Juli 2005 im Bahnhof Edinburgh. Es wäre
völlig unverantwortlich, meinte Bob Geldof, wenn die Politiker sich nicht an
ihre Versprechen, den Verarmten helfen zu wollen, halten würden. (Bild / AP) 05.07.2005 /
Die Neue Epoche |
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Online-Voting:
Pink Floyd beste Band bei Live 8 Der Auftritt von Pink Floyd war der beste bei Live 8. Das ist zumindest das Ergebnis einer Online-Umfrage,
die AOL unter seinen Mitgliedern organisiert hat. "Welcher Auftritt hat
allen anderen die Show gestohlen?" lautete die Frage. Mehr als 60’000
User beteiligten sich, 35 Prozent von ihnen stimmten für die Band, die am
Samstag zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren in der Besetzung auf der Bühne
stand, in der sie auch ihre großen Hits produziert hatte. Pink Floyd verwiesen damit Robbie Williams und
Madonna auf die hinteren Plätze. Auch in Sachen CD-Verkäufe sorgte der
Auftritt für einen enormen Schub: Um 1343 Prozent sei der Verkauf des Albums
"The Best Of Pink Floyd" in die Höhe
geschossen, ermittelte die britische Ladenkette "His Masters Voice". Pink Floyd haben bereits angekündigt, das Geld zu
spenden. "Das ist Geld, das dazu benutzt werden sollte, Leben zu
retten", erklärte Gitarrist David Gilmour.
"Das Hauptziel war es, das Bewusstsein für die Sache zu stärken und
Druck auf die Führer der G8 auszuüben. Ich werde mich an dem Konzert nicht
bereichern." Auch die anderen bei Live 8 vertretenen Musiker sollten
zusätzliche Einnahmen spenden, forderte die Band: "Wenn andere Künstler
auch ihre zusätzlichen Profite für wohltätige Zwecke spenden", so Gilmour laut AOL, "dann könnte man vielleicht auch
die Plattenfirmen davon überzeugen, solch eine Geste zu machen." 05.07.2005 / www.n24.de |
Pink Floyd: 150 Millionen Dollar abgelehntFür die Altherrenrocker
von Pink Floyd war die Live Aid-Reunion eine
einmalige Angelegenheit. Unterdessen ärgert sich Bob Geldof über die
"Idioten", die gegen den G-8-Gipfel protestieren. London - Sieben Alben und
drei Singles auf Platz eins der Charts, ein Grammy Award - keine Frage, die Progpioniere
Pink Floyd haben für sich selbst, Kinder und Kindeskinder mehr als ausgesorgt.
Für Bob Geldofs Live Aid-Neuauflage
ließen sich die Briten trotz Ruhestand zu einem Bühnencomeback hinreißen. Das
Angebot, wieder auf Tournee zu gehen, schlagen Pink Floyd aber definitiv aus.
Gitarrist und Sänger Gilmour berichtet der
britischen Sun von der Offerte: "Uns wurden 150 Millionen Dollar für
einige Gigs in den Staaten geboten. Das ist komplett verrückt - und wir
werden es definitiv nicht tun. Live 8 war eine einmalige Sache." Und zwar eine, die sich für die aufgetretenen Künstler ganz besonders gelohnt hat. Die Handelskette HMV veröffentlichte eine spezielle Verkaufsliste mit Musikern des Megaevents. Ganz vorne: Die Pink Floyd-Best Of "Echoes". Die CD wanderte infolge des Konzerts am vergangenen Samstag unglaubliche 13-mal häufiger als in der Vorwoche über die Theke. The Who legten um exorbitante 863 Prozent zu, gefolgt von Annie Lennox (500 Prozent), Dido (412 Prozent) und Razorlight (335 Prozent). Um den Verdacht falscher Beweggründe für den eigenen Auftritt gar nicht erst aufkommen zu lassen, fordert Gilmour nun von allen Künstlern, die Extraeinnahmen für den guten Zweck zu spenden. Unterdessen kam es im Vorfeld des heute
stattfindenden G-8-Gipfels in der Nähe von Edinburgh zu gewalttätigen
Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Aktivist Geldof zeigte
kein Verständnis für die "Idioten", die die Eskalation ausgelöst
hätten. "Ihr dummes, unnötiges und zu verurteilendes Auftreten wird die
Entscheidungen der acht Männer nicht beeinflussen." Live Aid II möchte Druck auf die führenden Staatschefs
ausüben, damit diese den ärmsten Länder Afrikas die Schulden erlassen, die
Entwicklungshilfen erhöhen und fairere Handelsbedingungen einführen. NGOs wie Greenpeace
kritisieren unter anderem, dass Live 8 global bedeutsame Gipfelthemen wie das
Kyoto-Protokoll auch beim heutigen Abschlusskonzert
außen vorlässt. Und selbst wenn Geldof das anders sehen mag: Der Protest vor
Ort und Gegeninitiativen wie das Sozialforum sind womöglich sinnvoller als
Aufrufe, eine Email oder SMS an den Bundeskanzler zu schicken. So mancher wird
auf diesem Weg vor allem sein soziales Gewissen beruhigen. 06.07.2005
/ laut.de |
Geldofs größte ShowMit seinen Live8-Konzerten für Afrika
will der Ire am Samstag fünf Milliarden Menschen erreichen / Lob und Kritik Von Peter Nonnenmacher Es soll, wieder einmal, die größte Show der Welt
werden: Eine Veranstaltung, die in ihrem ehrgeizigen moralischen Anspruch die
Grenzen des bisher Möglichen sprengt. Synchron geschaltete Pop-Konzerte rund
um die Erde, die "Gerechtigkeit für Afrika" fordern, wollen am
Samstag das Bewusstsein der Menschen in den wohlhabenden Ländern erreichen -
und den am kommenden Mittwoch im schottischen Gleneagles
zusammen tretenden Staats- und Regierungschefs des Reichen-Klubs der G8
radikale Maßnahmen zur Unterstützung des notleidenden
Teils des Planeten abzwingen. Im "planetösen"
Maßstab ist die Sache wahrhaftig geplant, von ihrem Erfinder und irischen
Chef-Organisator, dem früheren Sänger Sir Bob Geldof. Was sich am Wochenende in
London und Rom, in Paris und Berlin, in Toronto, Philadelphia, Tokio,
Johannesburg und Moskau abspielt, wird von 140 Fernseh- und Rundfunkanstalten
in alle Welt übertragen, als größte globale Sendung aller Zeiten. Gut fünf
Milliarden Menschen, mehr als 80 Prozent der Erdbevölkerung, können nach Berechnungen
Geldofs dabei sein: per Fernsehen, Radio, Internet oder Handy. Bob, meinen
die Befürworter des Unternehmens bewundernd, sei im Begriff, mit seiner
elektronischen Meisterleistung "das Gewissen der ganzen Welt zu
erschüttern". Der Mann sei schlicht "dem Größenwahn
verfallen", knurren die Kritiker. Auch Skeptiker müssen freilich zugeben, dass es
Geldof gelungen ist, maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Allein das Aufgebot
der Stars im Londoner Hyde Park - von Paul McCartney über Madonna, U2, Annie
Lennox, Robbie Williams, The Who
und Sting bis Elton John - hat ein Rekord-Interesse auf sich gezogen. Mehr
als zwei Millionen Menschen mühten sich auf dem vorgegebenen Textmessage-Weg um (Gratis-)Tickets für die Veranstaltung
- 200 000 Eintrittskarten durfte Geldof ausgeben. Er wusste von Anfang an, dass er ein
musikalische Sensation brauchte, um dem Hyde-Park-Konzert zu einer besonderen
Aura zu verhelfen. In langen, separaten Telefonaten mit Roger Waters und David
Gilmour brach er ("Wish
you were here") das feindselige Schweigen, das zwischen
diesen beiden Riesen der Pop-Geschichte nach dem Zerfall ihrer Gruppe 20
Jahre geherrscht hatte. Pink Floyds Auferstehung, für 20 Minuten am Samstag
im grünen Herzen Londons, war Geldofs größter Coup im Vorfeld der
Live8-Konzerte. Im Namen der Afrika-Hilfe wurden große und kleinere
Musikanten an Verkaufszahlen gemessen, ehe sie Einladungen erhielten. Nur
Michael Jackson wollte Geldof lieber "etwas Ruhe" gönnen - nach
dessen "schrecklicher Zeit" in juristischen Mühlen. Geldof bedachte
freilich nicht, wie bleich sich seine Sängerliste auch ohne Jackson ausnehmen
würde. Sarkastisch bemerkte der frühere Geldof-Gefährte Andy Kershaw, die Pro-Afrika-Konzerte am Wochenende zeichneten sich durch
"einen bemerkenswerten Mangel an afrikanischen Künstlern" aus. Als
"verdammt angelsächsisch" kritisierte Blur-
und Gorillaz-Sänger Damon Albarn
das Aufgebot, das "ausgerechnet die Leute vor der Tür stehen lässt, um
deretwillen das Ganze inszeniert wird". Betroffen wehrte sich der
wuschelköpfige Live8-Organisator: Es gehe "um eine politische
Veranstaltung, nicht um ein Kulturereignis"; eine Veranstaltung mit dem
Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen. "Ob schwarz, ob grün, ob rot, ob orange - auf
die Hautfarbe kommt's doch wirklich nicht an. Worauf es ankommt, ist, wer
Platten, wer CDs verkauft", sagte Geldof. Ein rasch in Cornwall, im
Tropendunst des überglasten Eden-Centres
angesetztes Zusatzkonzert speziell mit afrikanischen Musikern führte zu
bissigen Kommentaren, bei denen gar das böse Wort "Apartheid" fiel. Zugleich musste sich Geldof vorhalten lassen, dass
er bei seiner Kampagne, zum Schrecken der Stadt Edinburgh, "eine Million
Demonstranten" zu einer G8-Kundgebung in die schottische Stadt
"eingeladen" hatte; dass er protestwillige Schulkinder zum
Schwänzen anhielt ("die können ruhig mal zwei Tage Geometrie verpassen");
dass er eine kühne Weltkriegs-Vision mit tausend individuellen
Bootsüberfahrten auf dem Ärmelkanal für französische Gleneagles-Pilger
entwickelte (Küstenwache: "Wahnsinn"); dass er den Papst
aufforderte, sich bei Gleneagles in die Demo-Truppe
einzureihen; und dass er seine Sänger bat, nicht ausfällig zu werden gegen
George W. Bush, der doch "mehr für Afrika getan" habe als irgend
ein anderer US-Präsident. "Arrogante Primadonna" nannte
Mitveranstalter Peter Irvine diese Woche Geldof. Als "Megalomanen"
bezeichnete ihn Lord Steel, der frühere Liberalenchef Großbritanniens. Geldof
selbst hält unbeirrt an seinem Ziel der "Aufrüttelung der Welt"
durch seine Veranstaltungen fest. "Wahnsinnig zuversichtlich" sei
er selbst nicht, dass alles erreicht werden könne, was man sich vorgenommen
habe: "Aber eine solche Chance wie diese bietet sich uns nie
wieder." 07.07.2005 / Frankfurter Rundschau |
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Grosse Bands rocken für Afrika Musikalische Höhepunkte für die Fans im Londoner
Hyde Park Von Hanspeter Künzler «Wahrscheinlich die grossartigste Sache, die in
der Geschichte der Welt je organisiert wurde», entfuhr es Coldplay-Sänger
Chris Martin in der Emotionshitze des Gefechtes. Live-8 war eine
organisatorische Meisterleistung, das steht ausser Frage. Trotzdem verpassten viele den Beginn des
Konzertes. Wer mit dem Bus kam, blieb im Verkehrschaos stecken. Auch hatte es
zu wenig Eingänge. Fünfzehn Minuten vor dem Start
war die Schlange noch eineinhalb Kilometer lang. Locker und gut gelaunt Das Ungemach wurde erstaunlich leger hingenommen.
«Chilled», also locker und gut gelaunt, war die
Stimmung. Das hing vielleicht damit zusammen, dass Alkohol auf dem Hauptareal
verboten war. Dank der kühlenden Bewölkung gab es keine Probleme mit
Hitzenerven und geröteter Haut. Bestimmt hat es nie zuvor einen Wow-Moment gegeben an einem Konzert wie der, als U2 und
Paul McCartney «Sgt. Pepper's Lonely
Hearts Club Band» anstimmen. Die Menge tost und
tobt. Überall reibt man sich die Augen. Einen echten musikalischen Ausraster gibts nur ein-mal: Ex-Libertines-Sänger Pete Doherty, der als Gast von Elton
John mit diesem «Children Of The
Revolution» singt, mimt den gelangweilten Superstar, er-wischt
kaum einen rechten Ton und vergisst eine Strophe ganz. Damit ruiniert er die
tolle Stimmung, die Elton mit «Saturday Night's Alright For Fighting» und «Bitch is Back» aufgebaut hat. Lauter Highlights Sonst aber - lauter Highlights. U2 fangen die
Anfangseuphorie von «Sgt. Pepper» perfekt auf mit
einem «Beautiful Day», dessen Text Bono mit Anspielungen auf die Bedeutung dieses Tages
spickt. Coldplay hauen in eine ähnliche melodische
Kerbe, wie U2 vor zwanzig Jahren. Die Band wird mit ihrem Live-8-Auftritt
ähnlich in die oberste Band-Liga aufgestiegen sein, wie es U2 mit Live Aid gelang. Dido und Youssou N'Dour kredenzen den Evergreen «Seven
Seconds» - es ist der schönste besinnliche Moment
des Tages. REM verlieren keine grossen Worte und spielen vier Lieder mit
Würde, Klasse und Gusto. Travis überraschen mit
einer lustigen Version vom Bee-Gees-Schlager «Stayin' Alive». Versöhnung bei Pink Floyd Amüsant ist auch Bob Geldofs baufällige
Darbietung von «I Don't Like
Mondays» - der Mann klingt unterdessen wie Bob
Dylan. Vor allem ältere Schlachtenbummler freuten sich auf die Reunion der
alten Pink- Floyd-Kämpen Roger Waters und David Gilmour,
die ja seit zwanzig Jahren nur noch über Rechtsanwälte kommuniziert haben.
Sie enttäuschen nicht. «Wish You
Were Here» und «Money»
klingen vielleicht etwas schwerfällig. Aber während eines beeindruckenden «Comfortably Numb» entspannen
sich die Nerven sichtlich. Am Schluss umarmen sich die alten Streithähne und
fachen die Gerüchte noch weiter an, dass dies der erste Schritt zur wahrer Reunion sei. Der Hyde Park heult Weitere Highlights: Madonna verwandelt den Park
mittels «Music» und «Ray Of Light» in eine wogende Tanzhalle. Ähnliches tun
die smart-schrägen Scissor Sisters
aus New York mit ihrer frechen Fusion von Roxy Music, B-52 und Freddie
Mercury. Apropos Mercury: Freddies Auftritt war der beste Moment von Live Aid gewesen. Seine Krone übernimmt diesmal Robbie
Williams. Er packt den Moment am Schopf und versetzt die Menge in eine kommunale
Ekstase. Er, der grosse Queen-Fan, schlägt mit «We
Will Rock You» los und demonstriert eindrücklich,
welch krassen Fehler die überlebenden Queen machten, als sie seine Offerte
ausschlugen, gratis bei ihren Reunion-Konzerten
mitzumachen. Als Robbie ausser Programm noch «Angels»
singt, heult wieder der ganze Hyde Park. Hanspeter Künzler
07.07.2005 / St. Galler Tagblatt |






















