Interview
mit Roger Waters
Von Marcel Anders

|
Roger Waters hat die Oper „Ça Ira“ komponiert und denkt über eine gemeinsame Zukunft
von Pink Floyd nach. MA: Herr Waters, was hat Sie dazu veranlasst, eine
Oper über die französische Revolution zu schreiben? Schließlich liegen die
Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag schon 16 Jahre zurück. RW: Genauso lange arbeite ich schon daran. Wenn auch
nicht am Stück, sondern in kurzen Etappen. Ganz einfach, weil ich so viele
andere Sachen um die Ohren habe – und das ein unglaublich aufwändiges Projekt
ist. Vor allem für jemanden wie mich, der noch nie mit einem Orchester
gearbeitet hat. Das war schon etwas Besonderes. Und ich finde, die Thematik
passt einfach zur Zeit. Auch wir leben in einer
Welt, in der die Mächtigen und Reichen den Bogen überspannt haben, und es
eigentlich Zeit für eine nette, kleine Revolution wäre. MA: Sie meinen, um die Blairs und Bushs aus dem Amt zu
jagen? RW: Es wäre wirklich höchste Zeit. Ich meine, wie viel
Mist dürfen die noch machen? Mit ihrer Kurzsichtigkeit und Ignoranz haben sie
das globale Gleichgewicht zwischen den Kulturen zerstört. Sie haben einen
neuen religiösen Krieg zwischen Ost und West ausgelöst und sind auch noch
stolz darauf. Und jetzt versuchen sie, das Ganze mit Propaganda und
religiösem Fundamentalismus zu rechtfertigen. Ich kann es nicht mehr hören. MA: Das klingt sehr nach Unzufriedenheit, und Sie
haben mit Ihrer Meinung auch nie hinterm Berg gehalten. Trotzdem sind Sie
gerade von England nach New York gezogen. RW: Aber nur, weil dort meine Ex-Frau mit den Kindern
wohnt und ich in ihrer Nähe sein wollte. Ansonsten würde ich es dort nicht
aushalten. Ich meine: 70 TV-Programme voller Propaganda – und nirgendwo ein
einziges Kricket-Spiel. Das ist eine harte Prüfung. MA: Genau wie anlässlich der kürzlichen
Live 8-Konzerte wieder mit Ihren alten Kollegen von Pink Floyd aufzutreten? RW: Das fiel mir auch nicht leicht, schließlich haben
wir fast 20 Jahre kein Wort miteinander gewechselt. Aber die Sache war mir so
wichtig, dass ich David Gilmour, Pink Floyd angerufen habe, und er war sofort
bereit mitzuziehen. Was soll ich sagen, es war einfach toll und hat riesigen
Spaß gemacht. Ich würde das gerne wiederholen. MA: In Form einer Pink Floyd Wiedervereinigung? RW: Wer weiß. Ich war vor ein paar Tagen mit Nick
Mason essen, und dabei haben wir zufällig David Gilmour
getroffen. Das war wirklich nett. Es scheint, als kämen wir plötzlich wieder
ganz gut miteinander aus. Und ich hätte schon Lust, wieder was mit ihnen zu
machen. Hey, wir waren ja keine wirklich schlechte Band, oder? MA: Außerdem haben Sie noch ein paar andere Projekte
am Start … RW: Stimmt. Ich arbeite an einer Broadway-Version von
„The Wall“ und an einer Live-Show mit dem Cirque Du Soleil. Dann ist da
noch die Live-Premiere von „Ça Ira“ am 17. November
2005 in Rom … MA: Sind Sie nervös? RW: Und wie! Allein der Gedanke, dass ich ein
82-köpfiges Orchester vor Publikum dirigieren soll, treibt mir den
Angstschweiß auf die Stirn. Aber gleichzeitig ist das eine riesige
Herausforderung, auf die ich mich wahnsinnig freue. |