The Final Cut Albumkritik von Bravo

 

26. März 1983

 

 

Endlich! Fast drei Jahre nach der Veröffentlichung von The Wall haben Pink Floyd wieder ein Album auf den Markt gebracht – und damit, wenigstens vorläufig, allen Auflösungsgerüchten ein Ende gesetzt. Mit von der Partie sind nämlich wieder alle drei Pink Floyd Grössen, David Gilmour, Nick Mason und Roger Waters – was auch unübersehbar gross gedruckt auf der Rückseite des Doppelcovers steht: The Final Cut, was soviel bedeutet wie „das Endergebnis“, „die endgültige Aufnahme“ (ein dezenter Hinweis, dass diese LP vielleicht die letzte der Gruppe ist?), stammt allerdings alleine aus der Feder von Roger Waters und ist mit „A Requiem For The Post War Dream“ (ein Requiem für das Nachkriegs-Trauma“) untertitelt. Es ist ein Werk ganz nach Art des Hauses: Pompös, Bombastisch, angereichert mit dem kompletten National Philharmonic Orchestra und knallig durchsetzt mit den berühmten Gitarrenriffs von David Gilmour. Es ist eine LP, die man sich unbedingt in Ruhe anhören muss, denn die zwölf enthaltenen Titel gehen ineinander über und bilden ein „Rock-Requiem“ nach klassischem Strickmuster. Wer allerdings Rockige Töne erwartet, wird enttäuscht sein: Die LP strahlt eine ungeheure depression aus, ist von Anfang bis zum Ende sehr Ruhig und getragen, fast einschläfernd! Roger Waters, der auch dieses Album wieder seinem Vater gewidmet hat, übertrifft die eh schon düsteren Visionen von The Wall hier bei weitem! Ein Trauermarsch, mit dem sich eine der grössten legendären Rockbands selbst zu Grabe trägt?

 

© Bravo